Rundbrief zur CORONA-Krise

By | 7. April 2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie schnell sich unser Leben von der Alltagsroutine zum Ausnahmezustand ändern kann. Die notwendigen restriktiven Maßnahmen der Bundesregierung fordern den Großteil des Landes zum Stillstand auf. Plötzlich tritt hervor, wer oder was als systemrelevant eingestuft wird.

Wir Tierärztinnen und Tierärzte sind nicht nur im Bereich der Lebensmittelproduktion und -überwachung und damit Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit, sondern auch in der Verhinderung von Tierseuchen und der Abwendung von Tierleid notwendig.

Tierärztliche Betriebe dürfen weiter offen gehalten werden. Wir dürfen nicht nur, wir können und müssen weiterarbeiten!

Die derzeitige als Corona-Krise bezeichnete Situation führt nicht nur in Österreich sondern international zu einer raschen Verbreitung von Ängsten – Angst um die Gesundheit, Angst vor dem Freiheitsverlust, Angst vor wirtschaftlichen Problemen.

Und es zeigt sich wieder einmal, dass die Nutztierpraxis und die SFU als krisenfest zu bewerten sind. Viel schlimmer scheint derzeit die Lage in der Kleintierpraxis oder der reinen Terminpraxis. Wer vorher schon einen guten Teil seines Umsatzes aus der Akutpraxis sowie der Versorgung von Notfällen lukriert hat, wird auch jetzt mehr zu tun haben als die reinen Spezialisten.

Auch wir im IVPTÖ verstehen und teilen diese Ängste und Sorgen mit Euch. Aber wir verstehen uns auch als Sprachrohr derjenigen, die weiterarbeiten WOLLEN um die Praxen am Leben zu halten. Es ist für uns selbstverständlich, daß wir nicht denen die Fördergelder streitig machen wollen, die sie jetzt wesentlich dringender brauchen, weil ihre Betriebe auf behördliche Anordnung schließen mussten. Und das auf zunächst unbestimmte Zeit…

Viele, die jetzt nicht arbeiten dürfen, brauchen gezielte Hilfe – Hilfe des Staates. Hilfe aus dem Härtefallfonds.

Wir Tierärztinnen und Tierärzte sind ein kleiner Berufsstand in Österreich, dem manchmal auch nicht die aus unserer Sicht vielleicht passende mediale und bundesweite Aufmerksamkeit gezollt wird.

Trotzdem oder gerade deswegen sind wir es gewohnt, uns selbst zu organisieren um unser finanzielles Überleben zu sichern. Wir wollen nicht jammern. Es gibt viele Unternehmerinnen und Unternehmer in Österreich, die es wirklich hart getroffen hat. Und wenn eine tierärztliche Praxis bereits nach 2 Wochen Umsatzrückgängen so massive wirtschaftliche Schwierigkeiten hat, die den Ruf nach staatlicher Hilfe rechtfertig, so müssen wir uns wohl die Frage gefallen lassen, ob unser unternehmerisches Wissen ausreicht um die Grenzen der Liquidität rechtzeitig zu erkennen.

Wir, vom Vorstand des IVPTÖ, hoffen, dass Ihr, liebe Kolleginnen und Kollegen, angesichts des Aufschreis der förderungsverwöhnten Welt diese offenen Worte vertragt.

Wir alle haben das Privileg arbeiten zu dürfen und müssen unsere Betriebe nicht schließen. Da fällt es so manchen dann schwer, die Bedürftigkeit des Berufsstandes nachzuvollziehen.

Natürlich gibt es auch in unserem Berufsstand Kolleginnen und Kollegen, die Unterstützung und Hilfe brauchen. Diese sollen auch Hilfe und Unterstützung seitens der Tierärztekammer bzw. des Berufstandes bekommen.

Wir wundern uns nur über die Vorgehensweise  – dass nunmehr für ALLE, ob bedürftig oder nicht, ganz automatisch die laufenden Zahlungen zu den Wohlfahrtseinrichtungen für die nächsten Monate gestundet werden. Gerade für den Notstandsfonds sind Beiträge JETZT wichtig, wo mit geringen Beiträgen eines jeden einigen Kolleginnen und Kollegen wirklich geholfen werden kann. Wer sich weiterhin in der Lage sieht, diese –insgesamt doch bescheidenen – Zahlungen zu leisten, muss extra darum ansuchen – nicht diejenigen, die Hilfe benötigen. Steht der Berufstand wirklich so schlecht da?!

Mal abgesehen davon, daß es sich hier um eine Stundung der Beiträge handelt und diese damit nach eventuell ertragskritischen Monaten bezahlt werden müssen.

Betrachtet man die öffentliche Darstellung des Berufsstandes durch die Österreichische Tierärztekammer in  diversen Presseaussendungen angesichts der vielen Berufsgruppen, die mit ungleich größeren Problemen zu kämpfen haben, wollen wir gern festhalten, dass sich die Tierärztinnen und Tierärzte Österreichs ein besseres Bild verdient haben.

Mit kollegialen Grüßen,

Andrea Wüstenhagen

Berthold Grassauer

Für den Vorstand des IVPTÖ