Registrierkassenpflicht – erste Erfahrungen

By | 17. Februar 2016

Der IVPTÖ hat schon seit längerer Zeit auf die kommenden steuerlichen Änderungen bei den österreichischen Tierärzten hingewiesen. Zuerst bei der Veranstaltung in Linz, dann eine große Podiumsdiskussionsveranstaltung am 31.01.2015 in Wien.

Wir wollen nun die ersten Schlüsse ziehen – aus knapp 2 Monaten bestehender Registrierkassenpflicht.

  1. Zusammenfassung mit Stand Februar 2016

Im Zuge der Steuerreform 2015/16 wurde die Registrierkassenpflicht eingeführt. Die Einzelaufzeichnungspflicht wird durch die allgemeine Registrierkassenpflicht er­gänzt, die Tierarztpraxen mit einem Jahresumsatz ab € 15.000 trifft, sofern deren Barumsätze € 7.500 im Jahr überschreiten. Diese Werte verstehen sich jeweils als Nettowerte, berücksichtigen also die Umsatzsteuer nicht. „Bar“- umsätze sind auch jene aus Bankomatkassen oder Kreditkartenzahlungen (im Gegensatz zu Rechnungen mit ausgewiesenem Zahlungsziel).

Gleichzeitig mit der Registrierkassenpflicht wurde die Belegerteilungspflicht eingeführt.

Die meisten Tierärzte Österreichs haben sich bereits eine Kassenrichtlinien -taugliche Registrierkasse angeschafft. Einige nützen noch die Übergangsfristen und warten noch.

Zu den einzelnen Anbietern von Registrierkassen (wir sprechen nur von solchen mit einem integrierten tierärztlichen Programm.): wir haben einige Anbieter bei unserer Podiumsveranstaltung in Wien zu Gast gehabt. Auf den einzelnen Industrieausstellungen (z.B. VÖK Salzburg) preisen nun alle die Vorzüge Ihres Programmes und die Gesetzeskonformität an. Auch die ÖTK hat eine Handvoll von Anbietern namentlich in einer Aussendung bzw. auf der homepage erwähnt und für KRL- tauglich befunden. ACHTUNG: es wurden nur eigene Aussagen der einzelnen Softwareanbieter erhoben – es fand keine Überprüfung durch die ÖTK oder gar die Finanz statt!

Aus leidvoller Erfahrung warnen wir davor, sich alleine auf die Zusage der Anbieter, oder auf die Empfehlung der ÖTK zu verlassen!! Die Finanz geht in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich vor. Es werden Bescheide ausgestellt, die so manchem empfohlenen Programm die Untauglichkeit unterstellen, Programme, welche durchaus woanders „durchgehen“. Die großen Software Firmen lassen uns dann im Regen sitzen. Alleinverantwortlich für ein funktionierendes Programm ist der steuerverantwortliche Tierarzt in der Praxis /Klinik !!

Der einzig sichere Weg diesbezüglich ist:

Man lässt sein Programm durch den eigenen Steuerberater prüfen. Jede größere Steuerberatungskanzlei hat einen EDV versierten Mitarbeiter, welcher in kurzer Zeit die KRL- Tauglichkeit des verwendeten Programmes bestätigen kann. Das kostet etwas, spart aber bei einer Finanzprüfung viele Nerven und u.U. viel Geld.

2. Finanzpolizei

Die österreichische Tierärzteschaft muss damit rechnen unerwarteten Besuch der Finanzpolizei zu bekommen. Wir fürchten uns nicht bei dieser Überprüfung wenn Sie ansteht, aber wir sollten vorbereitet sein.

Neben der Überprüfung der anwesenden Personen in der Praxis/Klinik (z.B. ordnungsgemäße Anmeldung) liegt der Schwerpunkt meistens in der sogenannten Kassennachschau. Hier wird kontrolliert, ob die wahren Verhältnisse des Betriebes im Kassensystem festgehalten werden, d.h. ob alle relevanten Daten vollständig und richtig erfasst wurden.

Unter anderem werden standardmäßig folgende Fragen gestellt:

  • Welche und wie viele Kassensysteme werden im Betrieb verwendet?
  • Wie viele MitarbeiterInnen sind beschäftigt und wer davon darf die Registrierkasse bedienen?
  • Wie erfolgt die Kassenöffnung?
  • Wie läuft die Übergabe der Kasse während des Tages ab?
  • Wie erfolgt ein Zwischenabschluss?
  • Wie erfolgt der Kassenabschluss?

Es empfiehlt sich dringend folgende Unterlagen für eine „Kassennachschau“ immer bereit zu halten:

  • Kassenhandbuch
  • Bedienungsanleitung des Kassensystems
  • E 131 Bestätigung (Hersteller)
  • Datenerfassungsprotokolle
  • Elektronisches Journal
  • Abfrage von Bon/Rechnungsnummern (müssen auch in der Buchhaltung zu finden sein)
  • Diverse Berichte des Kassensystems
  • Zwischenabschluss (X-Bon)
  • Ausdruck der Speicherabfrage der Tageserlöse (Z-Bon)
  • Durchführung eines Kassenabschlusses

Beim Eintreffen der Finanzpolizisten sollte sofort der eigene Steuerberater informiert werden. Man ersucht die Finanzpolizisten bis zum Eintreffen des steuerlichen Vertreters mit dem Beginn der Amtshandlung zu warten (Kein Rechtsanspruch drauf!!)

 

Für den Vorstand des IVPTÖ

Dr. Leopold Pfeil

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