AK 7 – Statement zum Kollektivvertrag

By | 9. September 2015

STATEMENT DES AK7 ZUM THEMA KOLLEKTIVVERTRAG

Der Arbeitskreis Nutztiere im IVPTÖ hat sich eingehend mit dem Thema Kollektivvertrag für angestellte TierärtzInnen und Kooperationen von selbständigen TierärztInnen beschäftigt und ist zu folgenden Feststellungen gelangt:

 

Die Ausgangssituation

Zum 31.12.2013 waren in Österreich 2151 TierärztInnen selbständig und 801 unselbständig tierärztlich tätig. (Quelle: Statistiken der ÖTK)

Dienstnehmer in Praxen

Von den unselbständig tätigen TierärztInnen waren 71 im Rahmen von sog. Akademikertrainings über das AMS in Tierarztpraxen und 139 an der Vetmeduni tätig, 12 waren im Mutterschutz.

Daraus ergibt sich eine Zahl von 579 TierärztInnen, die direkt bei TierärtzInnen angestellt sind. Eine Statistik der ÖTK vom 13.02.2013 kommt auf 597 Personen.

Es ist also davon auszugehen, dass ca. 600 Personen als Zielgruppe für einen KV gelten.

Diese sind in ca. 400 (lt. ÖTK-Statistik 382) Praxen beschäftigt.

In 278 Praxen arbeitet je 1 Angestelle/r; in 60 Praxen je 2; in 27 Praxen je 3; in 5 Praxen je 4; in 3 Praxen je 5, jeweils 2 Praxen beschäftigen je 6, 7 und 8 Angestellte; in 1 Praxis  arbeiten 9 und in jeweils 1 Praxis 14 bzw. 18 Angestellte.

Annähernd 2/3 der Angestellten sind also in sog. 1+1-Praxen tätig (1 Selbständige/r und 1 angestellte/r TierärztIn).

Über die Verteilung zwischen Nutz- und Kleintierpraxis liegen keine gesicherten Daten vor.

„Auch ein noch so Arbeitgeber-freundlicher KV macht aus einer/einem Angestellten keine/n Selbständige/n!“

 

Nach eingehender Diskussion sind wir zur Überzeugung gelangt, dass für einen Großteil der betroffenen Praxen mit Angestellten im Nutztierbereich  vom KV keine befriedigende Lösung der Arbeitszeitproblematik zu erwarten ist, d.h. ein legales Arbeiten in 1+1-Praxen wird auch in Zukunft nicht möglich sein wird.

 

Konkrete Beispiele haben gezeigt, dass selbst in größeren Einheiten es nur schwer möglich ist, die Arbeitszeitregelungen einzuhalten bzw. müssen die Wochenend- und Nacht-Dienste von den Arbeitgebern gemacht werden.

 

Der Knackpunkt ist die Arbeits- und Bereitschaftszeit bzw. die Durchrechungszeiten und – im Nutztierbereich jedenfalls – nicht die Gehaltsfrage für den/die Einzelne/n. Die Einhaltung der arbeitszeitrechtlichen Grundlagen wird allerdings durch die Notwenigkeit der Anstellung weiterer MitarbeiterInnen unfinanzierbar.

 

 „Knackpunkte bezüglich Arbeitszeitproblematik insbesonders in der reinen Rinderpraxis sind v.a. der saisonal und im Tagesverlauf unterschiedliche Arbeitsanfall und das nicht vorhersehbare Ende der Arbeitszeit am Abend und die Bereitschaftsdienste, weil vom Nutztierpraktiker eine Rund-um-die-Uhr-Versorgung erwartet wird. Assistenten kommen auf viele Stunden Rufbereitschaft. Das hat zur Folge, dass sie zwar theoretisch eine 40h Woche haben, jedoch sämtliche Freizeitaktivitäten nur an freien Tagen einplanen können, weil die „ruhigen“ Abende nicht kalkulierbar sind. Für die Tage an denen sie arbeiten (und/oder Rufbereitschaft haben), ist es am „besten“, wenn sie gar nichts Privates ausmachen , das erspart ihnen viel Ärger – ist jedoch auf die Dauer auch ein wenig frustrierend.“

„Lange Durchrechnungszeiträume bei den Stunden helfen, die Arbeitsspitzen durch Ausfälle, Krankheit oder saisonale Spitzen etc. besser auszugleichen.“

„Wichtig erscheint eine maximale Flexibilität bezüglich Nacht- und Wochenendarbeitszeit (siehe Gastronomie etc) sowie ein möglichst langer Durchrechnungszeitraum.“

 

Es ist uns bewusst, dass ein KV eine Verbesserung gegenüber dem jetzigen gesetzlichen Zustand herbeiführen kann, aber nicht gegenüber den derzeit gehandhabten Usancen.

 

Eine intensive Aufklärung der Arbeitggeber über die derzeitige Gesetzeslage (durch die ÖTK) ist dringend notwendig, weil sonst jeder KV von vorneherein auf große Kritik stoßen wird.

 

Bleibt also (für den Großteil der betroffenen KollegInnen im Nutztierbereich, siehe oben) eigentlich nur die Kooperation. Auch hier muss auf Grund der Statistik-Zahlen dem 1+1(2)-Bereich besondere Beachtung zukommen.

Dabei sind kreative Lösungen, auch Praxen-übergreifende Modelle, gefragt.

Diesem Fragenkomplex wollen wir uns gesondert widmen.

 

AK Nutztiere im IVPTÖ:

Josef Elmer – Ursula Friedmann – Berthold Grassauer – Rudolf Grogger – Rudolf Huber –

Christoph Klingler – Walter Obritzhauser – Alexander Tritthart

Schreibe einen Kommentar