2. Enquete im März 2013 – sind wir noch zu retten?

By | 9. September 2015
Am 22.3.2013 um 19:30 startete in Ansfelden die 2. Enquete des IVPTÖ, die sich über weite Strecken mit konstruktiven Vorschlägen zur Entwicklung des Berufsstandes befasste:
Moderation: Dr. Leopold Pfeil, Kassier des IVPTÖ
Ein hochrangiger Experte stand uns mit einem äußerst informativen Vortrag und dann auch bei der Diskussion zur Verfügung :
Prof.Univ.Doz.Dr. Reinhard Schwarz, Gastprofessur an der Universität Klagenfurt, Spezialist für Freie Berufe und Steuerberater, hielt ein Referat mit dem Titel:

„Wie frei ist der „Freie Beruf“ Tierärztin / Tierarzt?“

Er sprach über
  • die aktuelle Lage der TierärztInnen in Österreich (basierend auf der WIFO-Studie der Kammer)
  • entwickelte daraus, durchaus im Vergleich mit den anderen freien Berufen, Zukunftsperspektiven über Chancen und vermeidbare Fehler …
  • Er gab Ausblicke über die zukünftig wichtigen Gesellschaftsformen (GmbH, KG, OG,…) und Fußangeln insbesondere bei Kollektivvertragsdiskussionen und -verhandlungen.
Prof. Schwarz sieht durchaus gute Entwicklungspotentiale, wenn der Berufsstand sich auf breiter demokratischer Basis formiert und moderne Problemlösungs-szenarien einhält.
Prof.Dr. Reinhard Schwarz wurde gebeten, diesen richtungsweisenden Vortrag in näherer Zukunft nochmals in Wien vor größerem Publikum zu halten.
Maßnahmen wirtschaftliche Ziele
  • Kooperation; Information; Interne und externe Kommunikation; Nachhaltige Ausweitung des Absatzmarktes
Zielrevision und Maßnahmenanpassung
  • Regelmäßige Zielrevision durch die Berufsgruppe
  • Laufende Marktforschung (siehe WIFO)
  • Die richtige Qualität für den richtigen Preis statt Orientierung der Qualität am Billigstpreis
Personalbeschäftigung
Bearbeitung des Beziehungsrahmens: Berufung Tierarzt/-ärztin, Kollegialität, on the job training, Partnerschaftsfähigkeit….
Kontrolle der Maßnahmenwirksamkeit und Gegensteuerung
Monitoring der relevanten Bereiche – Anpassung der Maßnahmen zur Steuerung – Anpassung der Maßnahmen an geänderte Ziele
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Im zweiten Vortrag mit dem Thema

„Aktuelle Rahmenbedingungen des Arbeitszeit- und Arbeitsruhegesetzes – wie viel Spielraum haben wir?

informierte Koll. Markus Kasper über das notwendige gesetzliche Basiswissen  zum Arbeitszeitgesetzes (AZG) und Arbeitsruhegesetz (ARG), welches alle arbeitgebenden TierärztInnen kennen sollten. Er widmete sich schließlich den Verhandlungsspielräumen in möglichen Kollektivvertragsdiskussionen und verhandlungen.
Diskussion: Die immer wieder ins Treffen geführten möglichen Gesellschaftsformen sind so gut wie sie tatsächlich gelebt werden. Scheingesellschaften sind genau so anfechtbar, wie schlecht oder falsch abgeschlossene Arbeitsverträge. Wichtig scheint auch, dass das Bewusstsein, wie wertvoll gut ausgebildete und realistisch entlohnte MitarbeiterInnen sind, größer wird. Die sich rasch verändernde Berufswelt braucht fundierte und faire, langfristige Lösungen.
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Abschließend hielt Univ.Prof.Dr. Norbert Kopf einen visionären Vortrag mit dem Thema:

„Mitarbeit gegen Ausbildung!“ Trotz Mindestlohn: Modelle für Einstieg und Integration in eine Praxis oder Klinik“

Sein Motto: „Jeder Berufsstand ist so gut (oder so schlecht) wie er sich um seinen Nachwuchs sorgt“
Er sprach über die Ausbildungssituation der Studienabgänger und Möglichkeiten der effizienten Erlangung von Praxisfähigkeit.
Die rasche Integration der BerufseinsteigerInnen in die tägliche Arbeit sollte hinkünftig über individuell gestaltete Teilzeit-Arbeitsverträge als Ersatz für das alte Modell „Mitarbeit gegen Ausbildung“ gestaltet werden.
Das neue Modell sieht vor, dass zu integrierende JungassistentInnen auf kollegialer Basis, über die vereinbarte Erfüllung eines Ausbildungsplanes, ehebaldigst Eigenverantwortung im Betrieb übernehmen können.
Die praktische Umsetzung soll in sog. Trainingszentren, die in Kooperation in Wien, Oberösterreich, Steiermark und Vorarlberg eingerichtet werden sollen,  erfolgen.
Diese „Berufsschulen“ legen ihr Schwergewicht auf das Üben und Trainieren bekannter Untersuchungs- und Behandlungs-Methoden und sollen permanent  als Wetlabs genutzt werden. Als Trainingseinrichtungen werden sie aber auch zur berufsbegleitenden Fortbildungseinrichtung – in welchen auch ganze Praxisteams ihren Standards anpassen und verbessern können zur Verfügung stehen. Erfahrene KollegInnen aus Klinik und Praxis sollen als InstruktorInnen gewonnen werden.
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Bei der abschließenden Diskussion am Buffet –
wir danken der Fa. Richter-Pharma AG für die großzügige Unterstützung –
 kamen wieder interessante Aspekte zu Tage, die unser Augenmerk auf die regionalen und individuellen Probleme lenkten – man lernt bekanntlich nicht aus!
Wir bedanken uns bei den Referenten und allen Teilnehmern!
 
Wir dürfen schon jetzt eine Folge-Enquete zu brisanten Praxisthemen ankündigen, die nach der ÖTK-Wahl, Anfang Juni 2013 in Wien abgehalten wird.

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